Schusswaffenabwehr - Entwaffnung von Langwaffen

Schusswaffenabwehr Langwaffe Entwaffnung Street Combatives Krav Maga Emty Hands Gun Defense SC Int'l
Moskau 2012

Die gezeigten Bilder und Videos in den Medien lassen den Markt boomen. Das Spiel mit der subjektiven Angst vor Bedrohungen oder Angriffen mittels einer Kurz- oder Langwaffe lässt die Kassen klingeln und jedes Wochenende trainieren interessierte Menschen erneut verschiedene Konzeptionen zur Handhabung dieser extremen Situationen.

 

Es wird fleißig entwaffnet und die unmöglichsten Szenarien müssen hierfür herhalten. Entwaffnet? Wie entwaffnet man eigentlich eine Person mit einer Langwaffe? In der Theorie einfach... man nimmt einer Person mittels einer technischen Komponente die Langwaffe ab. In der Praxis ist dieses bereits schwieriger. Schaut man sich die Bilder und Videos genauer an oder ist selbst etwas sachkundiger im Umgang mit Langwaffen, so fällt eines direkt auf. Die Täter nutzen oftmals einen Tragegurt bzw. ist dieser an den Waffen angebracht.

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Brüssel 2014

Betrachtet man die Funktion eines Tragegurtes, so bietet dieser einen Vorteil. Der Gurt verbindet die Person mit der Waffe.

 

Weiterhin bietet der Tragegurt auch einen Nachteil. Der Gurt verbindet die Person mit der Waffe.

 

Unabhängig von der zu trainierenden Perspektive, sei es der Schutz und die Sicherung der eigenen Langwaffe oder das Entwaffnen einer Person mit einer Langwaffe, müssen jeweils die Vor- und Nachteile des Tragegurtes bedacht werden.

 

Betrachtet man die Bilder, so sieht man, dass an den Waffen der Täter jeweils ein Gurt angebracht ist. Sei es aufgrund des jeweiligen Trainingsstandards oder auch nur zum komfortableren Transport einer oder mehrerer Langwaffen am Körper. Verfügt die Waffe über einen Tragegurt so besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50 / 50, dass der Angreifer den vorhandenen Tragegurt auch benutzt.

 

Man muss kein Rechengenie sein, um festzustellen, dass das alleinge Entwaffnen einer Langwaffe ohne Tragegurt nur die Hälfte der möglichen Szenarien abdeckt.

 

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Paris 2015

Auch darf man nicht davon ausgehen, dass der Angreifer über keinen Willen zur Verteidigung verfügt und das oftmals gesehene statische und undynamische Bedrohen mit einer Schusswaffe einer realen Gegebenheit entspricht.

 

Innerhalb dieser Trainings fällt direkt auf, dass der Waffenträger bereits den Willen zum "entwaffnet werden" aufweist und sich auch hier kooperativ verhält.

 

Dank unserer Force-on-Force Trainings zum "Schutz und zur Sicherung der Langwaffe" konnten wir zum Glück etwas Gegenteiliges beobachten. Die Waffe wird in dynamischen Situationen unter allen Umständen verteidigt und nicht in der bekannten Leichtigkeit entrissen.

 

Verfügt der Verteidiger hier über ein sinniges Konzept, ist er selbst in der Lage eine Vorderschaftrepetierflinte (sog. Pumpgun) ohne Tragegurt über einen längeren Zeitraum erfolgreich zu verteidigen. Gerade bei einer Redgun oder Bluegun aus Kunststoff wird dieses durch verschwitzte Hände zwar zusätzlich erschwert, ist aber unter professioneller Anleitung bedenkenlos möglich.

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Sousse 2015

Das Entwaffnen respektive das Entreissen der Langwaffe ohne Gurt ist definitiv eine Möglichkeit, wird aber unter Hochstress und einem Verteidigungswillen des Angreifers auch an Grenzen stoßen. Gerade dann, wenn der Angreifer in Bewegung ist oder auf den Versuch die Waffe zu ergreifen mit einem Zurückziehen reagiert.

 

Man darf hier nicht immer davon ausgehen, dass der Angreifer auch der im Training agierende unkundige Laie ist, der vielleicht schon mit der Handhabung einer Trainingswaffe in mentale Grenzbereiche vordringt.

 

Nutzt der Angreifer einen Tragegurt, ist diese Entwaffnung so nicht mehr möglich. Das schnelle Abwürgen, Fesseln oder Festlegen unter Nutzung des Tragegurtes der Waffe ist in einer dynamischen Situation eher als Mythos zu betrachten und erfreut doch eher den taktischen Wochenendhelden.

 

Stattdessen ist hier aus unserer Sicht die konzentrierte Anbringung von ballistischer Gewalt im vertikalen oder horizontalen Clinch unter Berücksichtigung der kontrollierten Sicherung der Langwaffe die zu favorisierende Vorgehensweise. Gerade dann, wenn der Angreifer eine direkte Bedrohung in der Nahdistanz ist.

Ist eine Annäherung aus der Distanz möglich (siehe das Bild Sousse 2015), sollten hier das zu Boden bringen und Einwirken auf den Bewußtseinszustand des Angreifers an erster Stelle stehen.

Schusswaffenabwehr Langwaffe Entwaffnung Street Combatives Krav Maga Emty Hands Gun Defense SC Int'l
Columbine 1999

Zusätzlich zu dieser Vorgehensweise kann auch der Einsatz eines mitgeführten Messers oder einer mitgeführten Schusswaffe erforderlich sein, so wie es innerhalb unseres Programmes "Combative Blade Strategies" und unseres "Force-on-Force Trainings" unterrichtet wird.

 

Der Schutz dritter Personen durch die Kontrolle der Mündung der Langwaffe kann in der Rolle der entwaffnenden beziehungsweise verteidigenden Person nur unter erschwerten Bedingungen erfolgen.

 

Auch bleibt die ergriffene Langwaffe nach einer beabsichtigten oder unbeabsichtigten Schussabgabe weiter schussbereit. Eine Waffenstörung, wie es bei dem Ergreifen einer Pistole eintreten kann, ist hier nicht gegeben.

Grundsätzlich sollte man auch davon ausgehen, dass die Waffe

  1. geladen ist
  2. auf Dauerfeuer steht

Auf dem Internationalen Polizei-Bundesseminar 2014 in Uelzen konnten wir beim Unterrichten unseres Konzeptes zum "Schutz und zur Sicherung der Langwaffe" beobachten, dass der Zustand einer Langwaffe durch Fremdeinwirkung ständig verändert werden kann. Waffen die "gesichert" waren, standen schlimmstenfalls nach einem Fremdzugriff auf "Dauerfeuer" und umgekehrt.

 

Sicherlich gibt es zu dieser Thematik verschiedene Betrachtungs- und Herangehensweisen. Aber unabhängig hiervon, sollte man eines nicht vergessen... die Realtität!

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Kommentare: 2
  • #1

    Sascha (Sonntag, 21 Februar 2016 00:13)

    Den letzten Absatz verstehe ich nicht ganz. Wurde durch die Polizei festgestellt, das nach Entwendung der Waffe häufig auf Dauerfeuer umgestellt wurde?

  • #2

    Robin (Sonntag, 15 Oktober 2017 21:08)

    Wenn die Entwaffnung nicht in Aussicht gestellt werden kann, könnten schusssichere Westen das Leben retten. Diese sind in Deutschland komplett legal erhältlich. Die einzige Ausnahme findet sich in Demonstrationen, auf denen ausschließlich Polizisten schusssichere Westen tragen können.